Februar 2007
Hi Iggy! Euer Debüt-Album ist ja
nun endlich draußen. Was hat alles so lange rausgezögert?
Da waren einige Faktoren daran Schuld, fangen wir von vorne an: zum
einen hatten wir einige Besetzungswechsel, sowohl am Schlagzeug als
auch am Bass. Zudem sind wir auch noch eine faule Band, was die ganze
Sache nicht vereinfacht hehehe. Und zu Guter letzt mussten wir
natürlich ´ne ganze Stange Kohle aufbringen für Produktion, etc.
Habt ihr euch ganz ernsthaft
oder nur so nebenbei um einen Label-Deal gekümmert?
Naja, ich würde mal sagen, halb halb. Anfangs haben wir schon
einige Label angeschrieben, mit einem waren wir dann auch näher in
Kontakt. Die Konditionen waren aber indiskutabel, so dass wir uns
wieder um das gekümmert haben, was wir eh schon gewohnt waren:
Eigenvertrieb. Demnächst gibt es wieder Gespräche mit einem Label, ob
das was wird, steht allerdings in den Sternen.
Gab es irgendwelches Feedback,
warum kein Label bei euerm Album angebissen hat?
Ne, meistens sind es Standardphrasen, wenn die Labels sich
überhaupt zurück melden. Lustigerweise geben Dir die großen Labels
fast alle Bescheid, dass es kein Interesse gibt, wobei die kleinen
Labels sich gar nicht zurück melden. Schon lustig, wenn man bedenkt,
dass es sie geschätzte 3 Sekunden ihres Lebens kosten würde, eine
Standard-Email-Absage zu schicken hehe. Who cares.
Worin seht ihr die wichtigsten
Pluspunkte von „Forever failure", verglichen mit „Deeper than hate"?
Ich finde, daß die Songs moderner, dichter und auch dunkler sind. Mal
abgesehen vom hervorragenden Sound.
Man merkt, dass wir als Band gereift und einfach mehr zusammen
gewachsen sind. Es sind die groben Amateurfehler verschwunden
(teilweise schiefer cleaner Gesang, etc.) und letztendlich sind die
Songs durchdachter und haben mehr Atmosphäre. Und wie Du bereits
sagtest, dieses Mal sind wir mit einer Hammer Produktion am Start.
Über welchen Zeitraum haben sich
die Aufnahmen gezogen? Wo habt ihr überhaupt aufgenommen?
Eingetrümmert haben wir die Scheibe in 9 Tagen im Stage One Studio
unter der Regie von Master Andy Classen. Es war der Wahnsinn mit so
einem erfahrenen Metal Producer zu arbeiten, der sich sonst mit
„unbekannten“ Bands wie Tankard, Apokalyptischen Reitern, Legion of
The Damned und vielen mehr „rumplagt“.
Wie würdest du mit einigen
wenigen Worten den Leser „„Forever failure" schmackhaft machen?
Wut, Trauer, Aggression ………………… METAL.
Welche musikalischen Vorlieben
fließen in die Edgecrusher-Songs ein?
Ach herrje. Das sind jede Menge Vorlieben haha. Wir sind
musikalisch alle relativ verschieden gestrickt. Während ich viel auf
alte Bay Area Thrash Sachen wie Testament, Forbidden, alte Metallica
aber auch auf viele andere Rock und Metal Sachen stehe, mag der
Johannes z.B. viel klassisches Zeug, auch die ein oder andere Power
Metal Band, der Jan Rockrohr steht dann wieder auf eher moderne Sachen
und Rockiges, der Jan Jäckle auf alles Mögliche, sprich von Pop bis
Metal und der Markus vor allem auf Klassiker aber auch viel Death
Metal. Wie DU siehst, breit gefächerte Einflüsse für unseren
endgültigen Sound.
Woher nehmt ihr die Inspiration
für die Texte? Fließen auch ganz persönliche Dinge, Lebensweisheiten
sozusagen, in die Lyrics ein? Politik scheint eh ein Thema zu sein.
Ja klar, in die Texte fließen immer auch private Dinge mit ein. In
welcher Form das ist natürlich vielfältig. Grundsätzlich verarbeite
ich sowohl reale Dinge, die um mich herum passieren (dazu gehört nun
eben auch Politik) als auch imaginäre Dinge und Situationen, die nur
meiner Vorstellungskraft entspringen. Um nur kurz auf das Thema
Politik einzugehen: es ist weniger plakativ als subtil in den Texten
dargestellt, aber bei der Fülle an Scheisse, die täglich in der Welt
passiert, dürften einem die nächsten 20.000 Jahre die Themen nicht
ausgehen.
Stell mal bitte die aktuelle
Mannschaft von Edgecrusher vor!
Also, da hätten wir mal den Jan Rockrohr an der Rhythmus-Gitarre,
den Johannes Kostbar an der Lead-Klampfe, den Jan Jäckle am
Schlagzeug, den Markus Eberle am Bass und meine Wenigkeit (Igor Panic)
am Mikro. Ich möchte hier nochmals betonen, dass es sich dabei um
weltliche Namen handelt und keineswegs um ausgedachte Künstlernamen
haha. Die meisten Schreiberlinge konnten das bisher nicht glauben.
Hattet ihr in eurer kurzen
Schaffensperiode schon mit Line-up-Wechseln zu tun?
Wie bereits oben erwähnt, hatten wir schon mit einigen
Besetzungswechseln zu „kämpfen“. Ein gewisser Aderlass ist in einer
Bandhistory durchaus normal, es finden sich selten 4 oder 5 Leute, die
dasselbe Können oder zumindest dieselbe Begeisterung, Motivation und
dasselbe Engagement mitbringen. Deshalb war es eine ganz normale
Entwicklung, dass der ein oder andere kleine „Edgecrusher“ einen
anderen Weg nehmen musste als der Rest der Band hehe.
Habt ihr die räumlichen und
zeitlichen Möglichkeiten, regelmäßig zu proben?
Ja, prinzipiell hätten wir die Möglichkeiten. Es scheitert meistens
eher an den persönlichen Verpflichtungen eines jeden von uns, seien es
Job oder Prüfungen an der Uni, etc.. Letztendlich raufen wir uns aber
immer zusammen, wenn es wirklich notwendig ist. Wir hatten aber auch
schon letztens mal die Situation, wo wir alle lachen mussten, als wir
festgestellt haben, dass wir schon seit 6 Monaten nicht mehr geprobt
hatten haha. Naja, solange wir tight bei den live gigs sind, ist das
ja wurscht hehe.
Was hat euch damals vor fünf
Jahren dazu bewogen, eine Band zu gründen? Bei manchen war’s ja nur
eine Schnapsidee, und bei euch?
Eine Schnapsidee würde ich es nicht bezeichnen, aber kommt dem
schon nahe. Der Martin (unser erster Drummer) und ich hatten schon
seit Jahren den Wunsch, wieder mal Musik zu machen und eine Band an
den Start zu bringen. Das hat sich ewig gezogen bis wir dann Ernst
machten. Die Suche nach einem Proberaum und geeigneten Mitmusikerin
dauerte auch noch ein ganzes Weilchen, bis wir dann endlich im
Frühjahr 2002 loslegten. Dass wir wirklich ernsthaft und in der
richtigen Besetzung Musik machen, kann man erst ab Herbst 2005 sagen.
Hat eure Namenswahl mit Fear
Factory zu tun?
Ja, offensichtlich. Ich habe in der Vergangenheit und auch heute
noch mich in verschiedenen Internetforen und Webseiten unter dem
Pseudonym „Edgecrusher“ angemeldet. Ich fand den Namen einfach
wohlklingend und interessant und darüber hinaus ist „Edgecrusher“ für
mich auch einer der besten Fear Factory Songs. Irgendwann beschlossen
wir dann wirklich aus einer Schnapslaune heraus unsere Band so zu
nennen.
Als Live-Band seid ihr ja
mächtig aktiv. Kannst du die Gigs noch zählen? Oder reicht euch das
noch lange nicht?
Also gezählt hab ich die Gigs nicht, aber hey, wie Du bereits
fragtest, wir haben noch lange nicht genug. Live spielen ist das
Geilste an einer Band, zumindest für uns. So hast Du im Jahr oft die
Möglichkeit neue Städte, Clubs und Leute kennen zu lernen oder freust
Dich alte Bekannte zu treffen. Ich bezeichne die Band immer als „das
geilste Hobby der Welt“. Manche gehen Tennis spielen, andere sammeln
Überraschungseierfiguren und wir lieben es in einer Band zu spielen
haha.
Die Schweiz und Österreich
liegen in Katzensprung-Nähe. Habt ihr dort auch schon diverse
Lokalitäten niedergebrannt?
Wir haben auch schon das ein oder andere Mal in den genannten
Ländern gezockt, aber irgendwie tun wir uns da schwer Kontakte
aufzubauen. Wir würden gerne viel viel öfter im angrenzenden Ausland
spielen, zumal die wenigen Gastspiele mit sehr guter Resonanz gesegnet
waren. Also, wer uns vermitteln kann, SCHREIBT uns :-)
Was erwartet einen Metaller auf
einem Edgecrusher-Gig?
In erster Linie Spaß. Ein Auftritt von Edgecrusher soll dem
Anwesenden mächtig Spaß machen und intensiv sein. Zu guter Letzt hat
man meisten auch noch was zu lachen, wenn man die bescheuerten Ansagen
versteht hehe.
Stimmt eigentlich die
Behauptung, daß es egal ist, ob man vor 20 oder 2000 Nasen spielt?
Nein, das ist absoluter Bullshit. Sicher, die meisten
professionellen Bands werden sich bemühen den best möglichen Auftritt
hinzulegen, aber das sind im Endeffekt auch nur Menschen, die sich von
Emotionen leiten lassen. So wird man bei einem 20 Mann Gig dem
Publikum nie dieselbe Spielfreude und Emotion vermitteln können, wie
auf einem 2000 Mann Konzert, bei dem man möglicherweise vom Zuspruch
des Publikums überwältigt ist. Mal abgesehen davon, habe ich keine
Ahnung, wie es ist vor 2000 Menschen zu spielen hahahaha.
Vor ein paar Jahren hatte der
Thrash einen größeren Boom, der ebbte dann aber scheinbar wieder ab.
Jetzt sieht’s so aus, als würde sich der Thrash auf einem guten Niveau
halten. Wie siehst du die Szene im Moment, allgemein und am Bodensee
im besonderen?
Ja, das kann ich so unterstreichen. Ich habe auch das Gefühl, dass
sich der Thrash Metal auf einem bestimmten Niveau hält, sowohl
international als auch national und lokal bei uns am See auch. Am
meisten fieber ich momentan einem neuen Testament Album im Jahr 2007
entgegen. Alte Mannschaft und Nick Barker am Drumkit, das muss ein
Killer werden. In Germoney haben wir auch super Thrash Combos am Start
wie Contradiction, Reckless Tide, Abandoned und wie sie alle heißen,
mal ganz abgesehen von den Koryphäen wie Kreator, Tankard, Destruction,
etc.. Lokal (ich fasse diesen Begriff mal etwas weit) haben wir auch
einiges zu bieten. Angefangen von Bitterness über Spellbound und
Project Peacemaker (in letzter Zeit nicht ganz so aktiv) bis hin zu
Tremors. Natürlich habe ich hier nicht alle genannt, sind nur ein paar
Anhaltspunkte. Jedenfalls ist der Underground aktiv und der
interessierte Metalfan findet auch jede Menge Qualität.
Wie sah dein persönlicher Weg
zum (Thrash) Metal aus?
Ganz ehrlich? Haha, ich muss so 14 gewesen sein, da sah ich
Testaments „Practice What You Preach“ Cd im Regal und war fasziniert
von dem geilen Cover. Hab mir die Scheibe geschnappt und gleich
angehört. Anfangs konnte ich mich nur mit „The Ballad“ anfreunden, der
Rest klang für mich so monoton haha. Bis dato hörte ich nur Kapellen
wie Helloween, Manowar, etc. Aber letztendlich nahm ich die Scheibe
einfach nur wegen dem Cover mit. Nach und nach je öfter ich aber das
Album hörte, merkte ich wie geil Thrash Metal doch ist. Und mein Weg
überhaupt zum Metal ist wohl der klassische … älter Bruder von
Schulkamerad hört Metal und infizier die jüngeren Bälger :-)
Welche Alben rotieren zur Zeit
in deiner heimischen Höhle?
Ach herrje, das sind verdammt viele, aber ich nenn´ jetzt mal nur
ein paar wenige Bands: die Neue von Amon Amarth, Volbeat, Kataklysm,
Sacred Reich, Nevermore, A-ha, Black (wer kennt den noch?), Born From
Pain, Evildead, Testament uvm.
Was erhofft ihr euch für die
allernächste Zukunft?
Nach wie vor viele live Gigs, schön wäre vor allem mit bekannteren
Bands, um neue Fans zu erreichen. Dann hoffen wir natürlich, dass die
neue Scheibe gut ankommt und dass wir in 5 Jahren immer noch so viel
Spaß an der Mucke haben, wovon ich selbstverständlich ausgehe :-)
So, ich danke dir, daß du dir
Zeit für’s KLASMA genommen hast. Die letzten Zeilen gehören dir...
Ich möchte Dir zunächst mal für Dein Interesse an Edgecrusher
danken und dass Du uns ausgequetscht hast. Außerdem finde ich es
klasse, dass Du dich all die vielen Jahre so für den Underground
einsetzt, gibt nicht viele, die das von sich behaupten können. Und zu
guter Letzt ein lautes „cheers“ an alle Leser, die es tatsächlich
geschafft haben dieses Interview bis zum Ende zu lesen, ihr seid krank
!